KW 52: Wortwahn
Am 28.12. wird in der katholischen Kirche der "Tag der unschuldigen
Kinder" gefeiert.
Da passt doch dieses Etikett ganz gut, das mir eines
Tages in die Hände fiel und mich ein wenig erschaudern ließ.
"Kinder-Hackfleisch", ein ziemlich makabrer produktionsbedingter
Fauxpas.
(Das MHD weist im Übrigen nicht darauf hin, dass es sich zudem auch
noch um Gammelfleisch handelt, sondern schlicht und ergreifend, dass
das Etikett schon ein paar Jahre auf den Rippen hat.)
Und da wir im weitesten Sinne wieder beim Thema Sprache
sind - und definitiv am Ende von 2011 angekommen:
Das Jugendwort des Jahres 2011 lautet "SWAG". SWAG bezeichnet eine
"beneidenswerte, lässig- coole Ausstrahlung", so die Erläuterung des
Langenscheidt- Verlags,
der die Initiative "Jugendwort des Jahres" 2008 ins Leben gerufen
hat.
Das österreichische Wort des Jahres 2011 lautet übrigens
"Euro- Rettungsschirm"; in der deutschsprachigen Schweiz "Euro-Rabatt".
Das deutsche (Un-)Wort wird zwar erst Mitte Januar 2012 bekanntgegeben,
irgendwas mit "Euro" wird aber auch hierzulande reelle Chancen haben.
In englischsprachigen Medien wurde 2011 hingegen laut "Global Language
Monitor" das Wort "occupy" am häufigsten verwendet.
KW 51: Wahnachten
Weihnachten steht vor der Tür. Und von drauß' vom Walde kommt mal
wieder jemand daher, der wah
Weihnachten steht vor der Tür. Und von drauß' vom Walde kommt mal
wieder jemand daher, der wahlweise als Weihnachtsmann oder Christkind
bezeichnet wird.
Lange Zeit dachte ich ja, der Weihnachtsmann sei eine Erfindung von
Coca Cola. Davon überzeugt ist wohl auch die Coca-Cola Company selbst,
die den Weihnachtsmann 1931 erstmals zu Werbezwecken einsetzte.
In einer Firmenbroschüre heißt es: "Mit dieser Werbeidee hat
Coca-Cola das Image von Santa Claus entscheidend geprägt. Denn sie hat
dazu
beigetragen, die weltweit bekannte Symbolfigur zu schaffen, die bis
heute der klassischen
Vorstellung vom Weihnachtsmann entspricht."
Tatsächlich taucht bereits ein knappes Jahrhundert zuvor eine
Darstellung des Nikolaus auf, die deutliche Parallelen zum heutigen
Erscheinungsbild des Weihnachtsmanns aufweist. Die Zeichnung befindet
sich in einem Buch, das 1845 veröffentlicht wird. Kurze Zeit später
erlangt es unter dem Titel "Struwwelpeter" einige Bekanntheit.
Bis 1931 wird diese Darstellung immer häufiger aufgegriffen und
modifiziert, bis sie schließlich der heute üblichen Darstellung immer
ähnlicher wird.
Eine Erfindung von Coca-Cola ist der Weihnachtsmann also nicht.
Vermutlich wird sich auch Heinrich Hoffmann, der Schöpfer des
"Struwwelpeter", bereits an gängigen Vorstellungen orientiert haben.
Die Frage, wann der Nikolaus mehr und mehr zum Weihnachtsmann wurde,
ist
noch mal eine andere Sache. Wie auch die Figur des "Knecht Ruprecht",
der in dem eingangs zitierten Gedicht von Theodor Storm der eigentliche
Protagonist ist.
Wie auch immer: Ich wünsche allen ein frohes Fest.
[nach oben]
KW 50: Waldhalla
Nun, da sich das Jahr dem Ende neigt, ist es an der Zeit, 2011 als
Ganzes zu betrachten.
Denn nicht nur einzelne Tage, sondern auch ganze Jahre werden zum
Gedenken auserkoren.
2011 war in diesem Sinne sowohl das Internationale Jahr der Wälder, als
auch das Internationale Jahr der Chemie. Beides übrigens auf Initiative
der Vereinten Nationen.
Unweigerlich muss ich bei der Kombination Wald und Chemie
an sauren Regen und Waldsterben denken. Ob das die gewünschte
Assoziation ist?
Eine andere Frage: Warum zeigen Pfosten und Mülleimer im öffentlichen
Raum eigentlich häufig ein Tarnmuster (s. Foto)?
Ich weiß, ich schweife ab. Aber einen allumfassenden Jahresrückblick
hatte ich gar nicht im Sinn.
[nach oben]
KW 49: Litfaßtastisch
Nach zähen Verhandlungen mit den zuständigen Behörden wird Ernst Litfaß
am 5. Dezember 1854 in Berlin endlich erlaubt, seine neuartigen
"Annoncier- Säulen" aufzustellen. Gut ein halbes Jahr später ist es
dann
soweit: Am 1. Juli 1855 wird die erste Säule eingeweiht.
Der Name kommt also nicht von der Form, auch wenn ich mir ein
"Litterfass" durchaus bidllich vorstellen kann. Sonst müssten wir aber
das "Faß" ja mit doppeltem "s" schreiben.
Wer hätte gedacht, dass sich diese Idee mehr als 155 Jahre behaupten
kann?
Aus dem Stadtbild wird die klassische Litfaßsäule jedoch langsam, aber
sicher verschwinden. "Stadtmöblierung" wird zunehmend andere Formen
annehmen und bevorzugen. (Tatsächlich werden Litfaßsäulen und andere
Werbemittel im öffentlichen Raum genau wie Bänke, Brunnen, Geländer
usw. auch
als "Stadtmöbel" bezeichnet, so als wären sie unverzichtbar.)
Noch gibt es sie aber. In Düsseldorf wird sogar noch was
oben drauf gesetzt: Auf verschiedenen Säulen finden sich
"Säulenheilige" des in Düsseldorf lebenden Künstlers Christoph
Pöggeler.
"Säulenheiliger" war übrigens auch der Spitzname von Ernst
Litfaß. Der
Frage, wie heilig er wirklich war, werde ich demnächst nachgehen...
[nach oben]
KW 48: Artvent, Artvent
Vor kurzem habe zum ersten Mal Adventskalender für Katzen, Hunde
und Nager gesehen.
Da fehlen mir die Worte.
Lasse ich also das Wochenfoto sprechen.
Dies habe ich nämlich vor kurzem auch gesehen: eine
Installation von Diana Winklerová im AMoYA (Artbanka Museum of
Young Art, geöffnet Di-So 10-19 Uhr).
Das AMoYA hat im Juni 2011 eröffnet, liegt unmittelbar an der
Karlsbrücke in Prag und ist mehr als einen Besuch wert. Lange nicht
mehr
eine derart spannende Ausstellung gesehen.
Bei den Tierfellen handelt es sich übrigens um zwei Hunde und eine
Katze.
Wünsche allen eine angenehme Adventszeit!
[nach oben]
KW 47: Haftet
Aus Paris schwappt eine neue Welle herüber: Haftzettel verschiedener
Couleur werden zu großformatigen Bildern zusammengesetzt.
Ganz neu ist das nicht: "Pixelkunst" taucht mit dem Pointillismus
bereits Ende des 19. Jahrhunderts auf (und eigentlich fallen Mosaike
auch da
rein, und die gibt es schon seit mehreren tausend Jahren).
Die Aufteilung in Bildpunkte wird durch die Körnung von Fotos und die
Rasterpunkte von Druckerzeugnissen nahegelegt. Nicht umsonst erlebt
die Pixelkunst mit der Pop Art eine Renaissance.
In neuerer Zeit wird unsere visuelle Wahrnehmung in immer höherem Maße
durch digitale Bilder und damit durch Pixel geprägt.
Pixelkunst bekommt dadurch einen neuen Aufschwung - und bedient sich
ganz unterschiedlicher Materialien. Vor einer Weile sah ich zum
Beispiel im SPIEGEL eine Abbildung eines Raum füllenden Portraits aus
9.852 Toastbrotscheiben (realisiert von Laura Hadland).
Mir selbst schwebt seit einigen Jahren die Idee im Kopf herum, Pixel
aus halbierten Klopapierrollen zu bilden; spätestens seit einer
Ausstellung im Jahr 2006, bei der ich erstmals mit lackierten
Klopapierrollen gearbeitet habe.
Das Problem dabei: Ich brauche rund 500 Rollen für ein Bild. Bei einem
Jahresverbrauch von etwa 40 Rollen muss ich noch eine ganze Weile
warten.
Der Wegbereiter des Pointillismus Georges Seurat kam übrigens auch aus
Paris. Aber das nur am Rande. Lieber mal nach "Post it war" suchen!
Lohnt sich. Zum Beispiel die "Erschaffung Adams" von Michelangelo aus
25.000 Klebezetteln an der BBDO-Fassade in Hamburg (da ist
dann auch der noch fehlende Link zum "David").
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KW 46: Toleranzen tanzen
"Urbane Landschaft" nennt Gerd Winner (*1936) seine 1989 für
den Kölner U-Bahnhof Piusstraße realisierten Arbeiten, eine Mischung
aus Fotografie, Siebdruck und Malerei.
Derzeit ist davon allerdings wenig zu sehen. Zunehmend werden seine
Werke von Graffitis überlagert (oberer Teil des Wochenfotos). Urbane
Landschaft eben, könnte mensch sagen, bedauernswert ist es dennoch.
Zumal die Werke bereits mehrfach aufwändig restauriert (und von
Graffitis bereinigt) wurden.
Urbane Kunst braucht Raum, keine Frage, sonst sucht sie ihn
sich. Wie dieser Raum geschaffen werden kann, zeigt etwa das
cityleaks festival in Köln (vgl. KW 36) oder auch das
Kunst. Projekt. Annäherung 12+ in der Argentinierstr. in Wien (der
untere Teil des Fotos zeigt eine temporäre Arbeit aus
diesem Projekt aus dem Jahr 2010).
Eine andere Idee: Wie wäre es, wenn die U-Bahnschächte für Graffitis
freigegeben würden und diese damit zu einer kilometerlangen
Ausstellungsfläche urbaner Kunst werden würden? Da gäbe es natürlich
einiges zu bedenken (Sicherheit, Beleuchtung etc.), aber so an sich,
als Denkansatz...
In diese Woche fällt übrigens der Internationale Tag
für Toleranz (am 16.11.). Da können wir jetzt auch mal drüber
nachdenken.
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KW 45: Ehrenfelder
Während in Köln das vorherrschende Thema der Woche der Karnevalsbeginn
am 11.11. ist, widme ich mich heute den Ehrenfelder Edelweißpiraten.
Schließlich lebe und arbeite ich seit zweieinhalb Jahren (u.a.) in
Köln-Ehrenfeld.
Die Edelweißpiraten waren informelle Jugendgruppen, die
aktiven Widerstand gegen den Nationalsozialismus leisteten.
Edelweißpiraten waren von Verfolgung, Inhaftierung, Folter und
Todesstrafe bedroht. Es wird angenommen, dass nur eine Minderheit, den
Zweiten Weltkrieg überlebte.
Am 10. November 1944 wurden einige Edelweißpiraten in Ehrenfeld
erhängt.
Daran erinnern eine Gedenktafel in der Schönsteinstraße sowie ein
sehenswertes Mahnmal am Bahnhof Ehrenfeld (das Wochenfoto zeigt einen
Ausschnitt desselben).
[nach oben]
KW 44: Mannomann
Das Foto hatte ich anlässlich des Weltmännertags am 3.11. ausgewählt
und bearbeitet - entstanden ist es 2007/2011 in Berlin. Durch einen
aktuellen "Kunstskandal" in Portugal gewinnt es an zusätzlicher Brisanz.
Im kleinen Städtchen Aveiro, 250 km nördlich von Lissabon, kam es im
Vorfeld der gegenwärtig laufenden Keramik-Biennale zu heftigen
Protesten.
Stein des Anstoßes war eine 2,47 Meter große Skulptur der Künstlerin
Umbelina Barros. Wie weltweit berichtet wird, handelt es sich um eine
Penis-Statue (selten wird jedoch das eigentliche Werk gezeigt).
Aufgrund heftiger Proteste sah sich die Stadtverwaltung
gezwungen, die Statue zu entfernen.
Am 3.11. jedenfalls ist der
Weltmännertag (nicht zu verwechseln mit dem Internationalen
Männertag am 19.11.).
Der Weltmännertag will das Thema Gesundheit in den
Fokus rücken - vor dem Hintergrund, dass die Lebenserwartung von
Männern in vielen Ländern deutlich unter der von Frauen liegt.
Schirmherr ist Michail Gorbatschow.
Ob sich übrigens in Berlin jemals jemand an der abgebildeten Statue
gestört hat, weiß ich leider nicht. Seit 1824 steht sie nun (mit kurzer
Unterbrechung von 1943 - 1984) auf der Schlossbrücke, Unter den
Linden. Die "Kunstweisheit" findet sich ganz in der Nähe, nämlich am
Neuen
Museum.
[nach oben]
KW 43: Erbe zu Erbe
Am 27.10. wird alljährlich der Welttag des audiovisuellen Erbes
begangen; ins Leben gerufen von der UNESCO.
Dazu fällt mir ein, dass ich in der nächsten Zeit die
Aufnahmen aus der Zeit, als ich noch aktiv Musik machte, mit
der Zeit nach und nach digitalisieren werde. Noch befinden sie sich
ausschließlich auf Audiokassette.
Sie werden voraussichtlich Bestandteil einer neuen Serie der Quadratur
werden.
Ob sie es wert sind, bewahrt zu werden?
Zunehmend werden wir alle immer größere Festplatten mit Daten unseres
Lebens hinterlassen.
Wer wird diese Daten verwalten, sortieren und bewerten?
Werden sie irgendwann in einem einzigen großen Datenpool
zusammengefasst? Oder einfach gelöscht?
[nach oben]
KW 42: Status Quo
Aus Anlass des Weltstatistiktags am 20.10. werde ich ein wenig
Resümee ziehen (auch wenn der Statistiktag einer der wenigen Gedenktage
ist, die nicht jährlich begangen werden, und ich in diesem Jahr ganz
alleine den Durchschnitt hochleben lasse).
Begonnen habe ich mit den Wochenfoto-Einträgen in der 5. Kalenderwoche
2011, also vor knapp neun Monaten. Zum Relaunch meiner Website wollte
ich mehr Aktualität und Dynamik an den Tag legen. Dass sich daraus ein
sogenannter Blog
entwickelt, war mir anfangs nicht bewusst.
Die bisherigen Einträge (insgesamt 38 an der Zahl
mit durchschnittlich je 123 Wörtern) nehmen als
Ausgangspunkt häufig einen Gedenk-/ Feiertag der laufenden
Woche (59% der Einträge) oder beziehen sich auf aktuelle Ereignisse
(13%).
Die jeweiligen Fotos greifen diese Anlässe mehr
oder weniger offensichtlich auf.
Alle Fotos stammen zwar ausschließlich aus meiner Kamera (100%), bei
einer Reihe von Bildern zitiere ich aber die Arbeiten anderer.
Das betrifft in erster Linie Werke der Street Art (21%) und (Laden-/
Verkehrs-) Schilder (26%), die mir im öffentlichen Raum begegnet sind.
Daneben kommt es vor, dass eine Fotografie (Heinz
Ehrhardt-Plattencover), der Abdruck eines
Gemäldes ("Der Kuss" von Gustav Klimt) oder ein Plakat ("Cuisine",
"kitekat") zu sehen
sind.
An dieser Stelle möchte ich mich daher herzlich bei allen
ursprünglichen
(unbekannten) Urheber/ -innen bedanken!
Bedanken möchte ich mich auch bei all jenen, die diesen Blog mit
Interesse verfolgen.
Ich werde weiterbloggen. Bald schon in einer gewohnt-bewährten, v. a.
praktikableren Blog-Umgebung.
Und ab dem nächsten Jahr dann noch ein wenig systematischer. Die
Vorbereitungen haben bereits begonnen.
[nach oben]
KW 41: Augen auf
In dieser Woche stehen mal wieder so viele Gedenktage an, dass die
Fotoauswahl nicht leicht fällt:
Am 10.10. wird der Internationale Tag der seelischen Gesundheit und
zugleich der Welthundetag begangen. Außerdem fällt auf den 10. auch
noch der Internationale Tag gegen die Todesstrafe.
Am 11.10. folgt der internationale Coming out Day, am 12. dann der
Welt-Rheuma-Tag. Alljährlich an jedem zweiten Donnerstag im
Oktober, in diesem Jahr also am 13.10., wird der Welttag des Sehens
zelebriert.
Am 14.10. ereignet sich dann der Welttag der Standards, der am 15.
abgelöst wird vom Internationalen Tag der Frau in ländlichen Gebieten.
Kaum weniger bedeutend ist dann der Wochenabschluss: Auf den 16.10.
fällt der Welternährungstag.
Das Sprichwort besagt zwar, dass wir die Feste feiern sollen wie sie
fallen, aber da kämen wir ja aus dem Feiern und Gedenken gar
nicht mehr heraus.
Beschränke ich mich ab nächster Woche also lieber wieder auf einen
ausgewählten Tag der Woche. Dann wird daraus hoffentlich auch wieder
mehr als eine reine Aufzählung anstehender Tage.
[nach oben]
KW 40: Mir ist so Heine
Woche und Foto passen in mehrfacher Hinsicht
zusammen, wie ich gleich erläutern werde.
Doch wie passt das Foto an sich in sich zusammen?
Wir
sehen eine Szene am Flughafen Köln-Bonn, Banner mit einem bekannten
Gedicht eines noch bekannteren deutschen Dichters, der mehr als zwei
Fünftel seines Lebens in Frankreich verbrachte, Licht- und
Schattenspiele moderner Architektur sowie das Logo einer
US-amerikanischen Kaffeehauskette, die sich nach dem Steuermann aus
"Moby Dick" benannt hat.
Die Woche beginnt jedenfalls mit dem Tag der deutschen Heinheit.
Da
aber das Wochenende noch nachklingt, möchte ich daran erinnern, dass
auf den vergangenen Samstag, also den 1.10., der Europäische Tag der
Depression fiel.
Außerdem
läuft noch immer die Ausstellung "Ist es am Rhein so schön?", an der
ich mit drei Foto-Collagen beteiligt bin. Und am 7.10. wird in Berlin
die Ausstellung "keine ZEIT" eröffnet, in der ich ebenfallsvertreten
bin.
Wie das jetzt alles zusammenhängt und warum das angeblich alles so
passend ist, das erklärt sich jetzt vielleicht schon von selbst.
[nach oben]
KW 39: Butter vom Brot-e
Der letzte Freitag im September, in diesem Jahr also der 30.9., war mal
einer dieser Tage. "Gedenk"-Tage, die die Welt nicht braucht.
Die Rede ist vom "Tag des deutschen Butterbrotes".
Und da in dieser Woche dann auch noch der Europäische Tag der Sprachen
(26.9.) begangen wird, gibt's mal wieder was mit Sprache.
Irgendwie passt das ja alles zusammen: EVA, als Abkürzung für
"Ergänzende Versorguns-Angebote und zugleich für Europäische
Verteidiguns-Agentur. Die Butter, die der Pflege vom
Brot genommen wird. Die Schuldenkrise in Europa, die dazu
führt, dass an allen Ecken und Kanten gespart werden muss.
"Da fang ich doch gleich mal bei den Buchstaben an", wird sich der
Inhaber dieses Pflegezentrums vielleicht gedacht haben.
"Verzichten wir einfach mal auf ein "e", "e" wie Euro."
Dass ein Urteil des Bundesverfassungsgerichtes übrigens sogar der
ganzen Gesellschaft, die den Tag des Butterbrotes erdacht hatte, die
finanzielle Grundlage nahm, ist eine andere Geschichte.
[nach oben]
KW 38: Pappa ante portas
Als er letztes Jahr im September Großbritannien besuchte, unternahmen
zwei Briten den Versuch, ihn wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit
offiziell verhaften zu lassen.
Der Vorwurf: Vertuschung von sexuellem
Missbrauch durch katholische Priester.
In Spanien, wo er im vergangenen Monat zum Weltjugendtag anreiste,
protestieren 5.000 Menschen gegen seinen Besuch.
Ein Hauptargument: Die Ausrichtung des Weltjugendtags
kostete weit über 50 Millionen Euro. Keine Frage: Eine hübsche Stange
Geld - in einem Land mit 39 Prozent Jugendarbeitslosigkeit.
Nun steht sein Besuch in Deutschland an (22. bis 25. September).
Wie er wohl hier empfangen wird? Sind wir noch immer er - wie
die Bildzeitung nach seiner Wahl 2005 proklamierte? [Und wer überhaupt
sind "wir"?]
Seine geplante Rede im Bundestag jedenfalls wird bereits im
Vorfeld kontrovers diskutiert.
Der Titel des dieswöchigen Eintrags ist selbstverständlich als
Ehrerweisung
für Loriot gedacht, der am 22.8. des Jahres die Nudel abgegeben hat.
Bei besagtem Besucher handelt es sich hingegen - wer hätte es gedacht -
um den Papst.
[nach oben]
KW 37: Willkommen im Club
Am 18.9. jährt sich der Todestag von Jimi Hendrix. Wie passend, dass in
diesem Jahr auf den 18. auch der Tag des Friedhofs fällt. Und nachdem
am 23.7. des Jahres Amy Winehouse ebenfalls - wie Hendrix - mit 27
Jahren
verstorben ist, gibt es an dieser Stelle einen Gedenkeintrag für die
verstorbenen Seelen des so genannten Club 27, als da u.a. sind (in
Klammern jeweils Sterbejahr, ggf. Band, Stil/Genre)
die Musiker:
Robert Lee Johnson (1938, Blues)
Brian Jones (1969, Rolling Stones, Rock)
Alexandra (1969, Schlager)
Janis Joplin (1970, Blues-Rock)
Al Wilson (1970, Canned Heat, Blues-Rock)
Jim Morrison (1971, The Doors, Blues-Rock)
Linda Jones (1972, Soul)
Ron McKernan (1973, Grateful Dead, Rock)
Pete Ham (1975, Badfinger, Rock)
Gary Thain (1975, Uriah Heep, Hardrock)
Helmut Köllen (1977, Triumvirat, Prog-Rock)
Jacob Miller (1980, The Inner Circle, Reggae)
D. Boon (1985, Minuteman, Punk)
Pete de Freitas (1989, Echo & the Bunnyman, Post-Punk)
Kurt Cobain (1994, Nirvana, Grunge)
Kirsten Pfaff (1994, Hole, Grunge)
Richey James Edwards (1995 verschwunden, Manic Street Preachers,
Alternative)
Freaky Tah (1999, Lost Boyz, Hip Hop)
Jeremy Michael Ward (2005, The Mars Volta, Prog-Rock)
und die anderen
Künstler:
August Macke (1914, Maler)
Georg Trakl (1914, Schriftsteller)
Jean-Michel Basquiat (1988, Maler)
Dash Snow (2009, Fotograf, Collagist)
[nach oben]
KW 36: Tand und Tändelei
Am zweiten Samstag im September wird alljährlich der Tag der deutschen
Sprache begangen, in diesem Jahr also am 10.9.
Dazu in diesem Eintrag ein Zitat des Barockdichters Friedrich von Logau
(1605-1655) und ein Abbild dumpfer Propaganda aus heutiger Zeit (rechts
im Bild).
Da diese aber so plump daherkommt, möchte ich sie
ungern allein und unkommentiert stehen lassen:
Als visueller Kontrast daher eine Impression geistreicher
Urban Art vom derzeit laufenden Cityleaks Festival in Köln (links im
Bild).
Hier live in Aktion der brasilianische Künstler Claudio Ethos.
"Ethos" ist dann eigenlich auch ein guter Ausgangspunkt für einen
Kommentar, bezeichnet Ethos in der klassischen Rhetorik doch
"Überzeugen durch Glaubwürdigkeit.
Überzeugungskraft ist dem "Propagandisten" nicht nur wegen seiner
sprachlichen Schwäche ("Zukuft") abzusprechen. Auch sein "Logos" lässt
doch sehr zu wünschen übrig.
Jetzt aber das Zitat:
"Kann die deutsche Sprache schnauben, schnarchen, poltern, donnern,
krachen, kann sie doch auch spielen, scherzen, lieben, tändeln, kosen,
lachen."
Mehr zum Cityleaks Festival gibt es übrigens unter
cityleaks-festival.com
[nach oben]
KW 35: Es herbstelt
Tatsächlich ist es schon wieder soweit: Auf den 1.9. fällt wie in jedem
Jahr der meteorologische Herbstanfang.
Nun waren der Juli und der August phasenweise ja schon
ziemlich herbstlich, manchmal auch ein wenig "aprilfrisch". Vielleicht
wird der Herbst dann wenigstens gülden.
Passend zur "dunklen" Jahreszeit ist mir auf jeden Fall wieder mal ein
indisches Fertiggericht in die Hände (und später dann in den Magen)
gefallen.
Die Zutat Bengalen-Gram passt doch wie der Schatten auf die
Seele, der sich mitunter einschleicht, wenn die Tage kürzer, der Himmel
grauer
und die Stimmung trüber werden. Schmunzeln soll dagegen helfen ;-)
[nach oben]
KW 34: Butter bei die Fische
Eigentlich wäre in dieser Woche ein Fisch an der Reihe. Denn am 22.
August ist "Tag der Fische", ein Aktionstag zum Schutz eben dieser.
Doch ein spritziges Fisch-Motiv hatte ich ad hoc nicht zur
Hand. Daher wieder ein Foto von einer Katze - auf einem Plakat, das mir
2002 in Auckland, Neuseeland, ins Netz gegangen ist.
Dabei handelt es sich um die originelle Werbekampagne des
neuseeländischen Koch-Magazins "Cuisine". Auf dessen Webpräsenz gibt es
noch mehr "amazing things" zu sehen:
www.cuisine.co.nz
Was übrigens passiert, wenn der Tag zum Schutz der Fische auf einen
Freitag fällt, konnte ich trotz ausgiebiger Recherche nicht eruieren.
[nach oben]
KW 33: Ein dicker Hund
Da ich schon weiß, dass in der nächsten Woche wieder eine Katze an der
Reihe ist, befasse ich mich heute mit dem "besten Freund des
Menschen".
Wie es zu dieser Klassifizierung kommt, ist mir
unverständlich, schließlich ist es wenig erfreulich, wenn ich
vor die Hunde gehe. Vor allem wenn
ich mich als Letzter auf den Weg mache, schließlich beißen sie mich
dann, die Hunde (es sei denn sie bellen).
Wenn ich dann aber doch auf den Hund gekommen
bin, kann das dann auch keinen mehr hinter'm Ofen
hervorlocken. Wahrscheinlich ist da eh der
Hund begraben. Und selbst wenn er nur schlafen sollte, würde ich ihn
auch nicht wecken wollen.
Der Hund auf dem Wochenfoto hat mir übrigens nicht verraten,
ob er Rex oder Rox heißt.
[nach oben]
KW 32: Für die Katz'
In dieser Woche, nämlich am 8.8., wird der Weltkatzentag begangen.
Widmen wir uns also heute mal nicht dem Jahr 1961,
sondern ganz dem Wesen mit den sieben (im
Angelsächsischen übrigens neun) Leben.
In Deutschland werden über 8 Millionen Hauskatzen vermutet.
Während die meisten davon wohlgenährt durch Gärten und Wohnungen
streifen, sieht es für ihre in
der Wildnis lebenden Verwandten weltweit nicht ganz so rosig aus:
Von den 36 Katzenarten, die auf der Roten Liste gefährdeter Arten
stehen, gelten 16 als gefährdet bzw. vom Aussterben bedroht. Weiteren
neun Arten droht dieses Schicksal mit hoher Wahrscheinlichkeit in
Zukunft (Quelle: IUCN 2011. IUCN Red List of Threatened Species.).
Das Katzen-Wochenfoto greift zurück auf die 13. KW und stellt ein
weiteres Internet-Phänomen vor, zugegebenermaßen diesmal ein in der Tat
eher Albernes, nämlich das der "LOL Cats".
[nach oben]
KW 31: Schaum und Traum
"Es lebe die Jugend... es lebe das Leben - es lebe der quellende,
füllige Schaum..." So lautete 1961 die Headline einer Werbekampagne
für Badezusatz. Und weiter:
"Welche Lebens-Situation kann man sich noch vorstellen, in der man sich
ohne alle Einschränkungen so kannibalisch wohlfühlt, so eins mit sich
und der Welt, so über alle Maßen zufrieden, so bereit zu großen
raumgreifenden Taten."
Gemeint ist die "Lebens-Situation" in der Badewanne. Werbung war einst
so
durchschaubar pathetisch. 50 Jahre später
übertreibt sie vielleicht in gleichem Maße - dies aber in der Regel in
subtilerer Weise:
"Da ist die Welt noch in Ordnung." lautet heute der Slogan einer
Warenhauskette. Jedes Mal, wenn er mich vom Einkaufswagen
aus anspringt, wird mir ein wenig übel.
Wie auch immer: 1961 wurde auch die Berliner Mauer gebaut. Am 13.
August wurden die Grenzen zum Sowjetsektor abgeriegelt - zunächst mit
Stacheldraht, später dann mit Beton und Hohlblocksteinen.
Zu diesem Anlass "50 Jahre Mauerbau" wird in der Galerie "Silberstein"
(in 08340 Schwarzenberg) in der nächsten Woche eine Kunstausstellung
eröffnet.
Ich schicke vier Abzüge aus der Reihe der bisher entstandenen
Collagen hin. Auf diesen Seiten sind sie bereits ab
dieser Woche in der Rubrik "Aktuelles/Akut" zu sehen.
[nach oben]
KW 30: Irgendwohin
Zum Start der Sommerferien in Nordrhein-Westfalen setze ich
in dieser Woche meine Zeitreise ins Jahr 1961 fort:
- In den Printmedien überwiegt Schwarz-Weiß gegenüber Bunt. Werbung
wird häufig noch gezeichnet. Prominente Testimonials sind
kaum vertreten.
- In der "Bravo" dominiert der Schlager. Doch gibt es
auch die Rubrik "Jazz Jazz Jazz".
- In sieben von zehn Haushalten wird mit Braunkohle-Briketts geheizt,
weil es "preiswert, sparsam und bequem" ist - so besagt zumindest eine
Anzeige.
- In westdeutscher Erdkunde wird Deutschland als Gebiet in den Grenzen
von 1937 angesehen (dies ändert sich erst 1970 vorläufig und 1990
endgültig).
Wo und wie auch immer Sie die Sommerferien verbringen: Ich wünsche
eine gute Reise.
[nach oben]
KW 29: Das vierte Element
Die Woche passt ganz gut für das "vierte Element" (vgl. KW 26), denn
am 20.7. ist Weltraumforschungstag. Und da 2011 auch das 50.
Jubiläum des ersten bemannten Raumfluges gefeiert wird, komme ich
wieder zurück zum Jahr 1961 (vgl. KW 18).
Die besagten 1961er- Collagen nehmen mehr und mehr Gestalt an und
werden bald in der Rubrik "Akut" vorgestellt.
An dieser Stelle vorab ein paar bemerkenswerte Erkenntnisse zum Jahr
1961:
- Die Tagesschau dauert 20 Minuten und wird montags bis samstags
ausgestrahlt; sonntags gibt es nur Fünf-Minuten-Nachrichten. Ab
September wird die Tagesschau dann auch
sonntags gesendet.
- Die ARD startet ein zweites Programm (mit einer
Sendezeit von 20 bis 22 Uhr). In der DDR gibt es den Deutschen
Fersehfunk (DFF). Weitere Sender gibt es im deutschen Fernsehen nicht.
- Ein Flug nach Sydney dauert 75 Stunden 40 Minuten.
- Juri Gagarin fliegt als erster Mensch ins All. Keine sieben
Jahre später stirbt er bei einem Flugzeugunfall.
Und
weil es an dieser Stelle auch passt, und zwar zum Thema
Collagen, abschließend noch ein Ausstellungshinweis: Bis zum 21.8.2011
zeigt das Max-Ernst-Museum in Brühl
die Ausstellung "Merz & Moticos", eine Begegnung von Arbeiten
Kurt
Schwitters' und Ray Johnsons.
[nach oben]
KW 28: Unbeflaggte
Erkenntnis
In meinem Eintrag zur 19. KW habe ich von einer Flagge der Erde
gesprochen, die es aber ja gar nicht gibt (es sei denn mensch würde
die der UN als solche ansehen).
Daher habe ich mich mit der Frage beschäftigt, wie eine solche Flagge
aussehen könnte. Der gewählte Weg ist ein methodischer,
weniger ein kreativer, nimmt die vorhandenen Flaggen als Grundlage und
wertet sie statistisch aus.
Ausgehend von 195 Nationalflaggen (deren Anzahl diskutiert werden
könnte) zähle ich 283 Sterne, 40 Kreuze, 30 Wappen, 20 Sonnen, 18
Monde. Darüber hinaus eine ganze Reihe vereinzelter Symbole.
In der Farbverteilung dominiert über alle Fahnen hinweg die
Farbe Rot (30,7), gefolgt von Blau (21,4), Weiß (17,3),
Grün (15,3), Gelb (9,7), Schwarz (4,6) und Orange (1,0) [Angaben in
Klammern: ungefähre prozentuale Verteilung]. Diverse
Farbnuancen innerhalb einer Farbe habe ich vernachlässigt.
Auf dieser Basis habe ich dann einfach mal die Pixel tanzen lassen,
die Farbverteilung berücksichtigt und die verschiedenen
Symbole mal numerisch, mal repräsentativ bedacht - wobei einzelne
Symbole nicht aufgegriffen wurden.
Die
abgebildete Fassung ist eine von letztlich unendlich vielen
Möglichkeiten. Mental lasse ich sie wehen am 11. Juli, dem
Weltbevölkerungstag.
[nach oben]
KW 27: Gruß und Kuss
Es gibt eine Vielzahl an Gedenk-, Ehren-, Namens- und Feiertagen. Wen
wundert's, dass es auch einen Tag des Kusses gibt, nämlich den 6. Juli.
Darüber hinaus gibt es sogar die Philematologie, die wissenschaftliche
Auseinandersetzung mit dem Thema "Kuss und Küssen".
Und selbstverständlich gibt es Kussrekorde: Der längste Kuss etwa,
verzeichnet auf der offiziellen Internetseite der Weltrekordwächter
(Guinness World RecordsTM), dauerte 46 Std. 24
Min. und 9 Sek.
(aufgestellt vom 13. bis zum 15.2.2011 in Thailand).
Erstaunlich, zumal das Regelwerk unter anderem besagt, dass sich die
Lippen während eines Rekordversuchs die gesamte Zeit berühren müssen
und das
Paar die ganze Zeit stehen und dazu auch noch wach sein muss.
Als Wochenfoto passend zum Anlass ein Bild von einem Bild vom Bild "Der
Kuss" (1908) - zu sehen an der Schlossfassade des Belvedere in Wien.
Das Original von Gustav Klimt (1862-1918) kann im Inneren bestaunt
werden (Oberes Belvedere, geöffnet von 10 bis 18 Uhr).
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KW 26: Feuer und Flamme
So mache ich also nach und nach die Elemente voll: Nach Erde (16.
KW) und Wasser (23.KW) bin ich nun beim Feuer angelangt.
Nach Feuer gefragt wird am häufigsten "heiß/Hitze" assoziiert (13 von
108 Nennungen). So zumindest in einer kleinen Erhebung mit 18 Personen.
Liegt ja auch
irgendwie nahe.
Es folgen "Brand" (neun Nennungen) sowie zu gleichen Teilen
"Gefahr/ gefährlich" und "Wärme/ warm" (je fünf Nennungen). Vier
Personen assoziieren außerdem "rot" und jeweils drei "Wasser", "Holz",
"Licht", "Lagerfeuer" und "Tod".
Die deskriptiven Aspekte mal außer Acht gelassen scheint
Feuer ziemlich ambivalent konnotiert zu sein. Ob sich dafür
die Qualen gelohnt haben, Prometheus?
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KW 25: Gut geschlafen?
Zum Tag des Schlafes am 21. Juni gibt es in dieser Woche wieder einmal
ein Fotopaar.
Es könnte sich die Frage aufdrängen, in welchem Hotel wir
lieber übernachten würden? Doch allein aufgrund des Namens zu
entscheiden, wäre ohne weitere Information etwas voreilig. Gleichwohl
entscheiden wir nicht selten nach eben solchen Gesichtspunkten.
Ich selbst habe übrigens bislang in keinem der Häuser genächtigt, kann
also keine qualifizierte Empfehlung aussprechen. Das Hotel Kummer in
Wien erhält jedoch überwiegend positive Bewertungen in diversen
Online-Portalen.
Das Hotel Trost in Köln hingegen hat mittlerweile
geschlossen. Am Namen wird es nicht gelgegen haben, oder?
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KW 24: Wissen, was morgen fehlt
Stichtag für die letzte große Bestandsaufnahme war der 25. Mai 1987.
Aus eben dieser Zeit stammt das aktuelle Wochenfoto.
Denn der Protest damals war groß und zog sich quer durch die
Gesellschaft, auch durch Politik, Gewerkschaften und Kirchen. "Der
Spiegel" griff diese Stimmung auf und fragte:
"mitmachen, mogeln, boykottieren?" (21/1987). Der Urheber des
abgebildeten Stencils hatte sich bereits entschieden.
24 Jahre später ist die Volkszählung "modern" geworden -
zumindest besagt das ihr Imagefilm. Stichtag war der
9. Mai 2011, die Befragungen laufen noch. Der Boykott
hält sich diesmal in Grenzen, was sicherlich verschiedene Gründe hat,
deren Erörterung hier jedoch zu weit führen würde.
Interessant ist aber, dass auch das Stencil als Form der Street Art im
letzten Vierteljahrhundert deutlich an Popularität gewonnen hat. Zu
sehen sicherlich auch beim Cityleaks Urban Art Festival in Köln
(Preview am 17.06.11 in der Rheinlandhalle/ Ehrenfeld).
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KW 23: Meerwert
Am 8. Juni ist der Welttag der Meere und Ozeane. Nicht zu
verwechseln mit dem Europäischen Tag der Meere, der am 20.5.
begangen wird.
Auch nicht zu verwechseln mit dem Weltschifffahrtstag, der in
diesem Jahr auf den 29.9. fällt und früher, das heißt bevor die
Vereinten Nationen
2008 den 8.6. als Welttag der Meere ausgerufen haben, häufig ebenfalls
als solcher bezeichnet wurde.
Obwohl, dem Meer ist's wahrscheinlich egal. Hauptsache
wir machen uns hin und wieder bewusst, dass wir alle mehr oder weniger
aus Wasser sind - ob Blauer Planet (ca. 72% der Oberfläche), Mensch (45
bis 85%) oder Gurke (ca. 95%). Die Unterschiede sind letztendlich
marginal. Und für alle gilt: ohne Wasser kein Leben.
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KW 22: Fragen über Fragen
Es gibt Fragen, die uns quälen. Es gibt Fragen, die uns
weiterbringen. Es gibt die Gretchen- und die
Kardinalfrage. Es gibt rhetorische, sensitive und suggestive
Fragen. Die Fangfragen nicht zu vergessen.
Auf dem Wochenfoto finden sich zwei Fragen, die uns der
öffentliche Raum stellt, einmal in Köln, einmal in Düsseldorf. Wo ist
wohl welches Foto entstanden - und sagt das möglicherweise
etwas über den Charakter der jeweiligen Stadt aus?
Wie auch immer: In dieser Woche ist Weltnichtrauchertag
(31.5.). Da bleibt allen, die es betrifft, abschließend eigentlich nur
die Frage: Aufhören?
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KW 21: Oh Weiher
Es ist gut möglich, dass uns in dieser Woche Menschen
mit Handtüchern unterm Arm begegnen, die Phrasen aus dem
Grundgesetz rezitieren. Dies wird sich überwiegend, aber nicht
ausschließlich in Parks ereignen. Denn in dieser 21. KW werden
folgende Gedenktage gefeiert:
23. Mai: Tag des Grundgesetzes
24. Mai: Europäischer Tag des Parks
25. Mai: Tag des Handtuchs (zur Erinnerung an Douglas Adams)
Und weil es so schön ist, schließe ich mit einem Zitat:
"Niemand darf wegen seines Geschlechtes, seiner Abstammung, seiner
Rasse, seiner Sprache, seiner Heimat und Herkunft, seines Glaubens,
seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder
bevorzugt werden." (Grundgesetz für die BRD, Artikel 3,3)
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KW 20: Heiliger Bimbam
Am 17.5. ist Weltfernmeldetag. Aus diesem Anlass mein
dieswöchiger Fotobeitrag: die paritätische Präsenz geistlicher und
weltlicher
Fernmeldegeräte, farblich schön aufeinander abgestimmt, fotografiert
auf La Gomera.
Dazu drei Anmerkungen:
1.) Das Telefon feiert seinen (ungefähr) 150.
Geburtstag. Philip Reis präsentierte seine Erfindung 1861
erstmals der Öffentlichkeit.
2.) 2010 sind in Deutschland fast 40 Prozent mehr Katholiken
aus der
Kirche ausgetreten als
im Vorjahr. Insgesamt waren es 180.000 Personen (Quelle:
"Christ & Welt").
3.) Nach Angaben des BITCOM-Bundesverbandes gab es 2010 in
Deutschland mehr als 110 Millionen Mobilfunkverträge, also etwa 1,3
Verträge pro Person.
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KW 19: Fahnweh
Vor fünf Monaten bin ich umgezogen, in ein Haus mit einem
Fahnenmast. Als Google seine fahrbaren Kameras durch Deutschland
schickte, lange vor meinem Umzug, hing dort eine Fahne. Auf Google
Street View ist sie nun zu sehen.
Allerdings ist es keine Europafahne; das Foto habe
ich anlässlich des Europatages am 9.5. ausgewählt. Es ist eine
Deutschlandfahne.
Nun, seit meinem Parka in Grundschulzeiten habe ich mich nicht
mehr
mit nationalen Symbolen geschmückt. Ich habe da meine Vorbehalte. Zu
gerne würde ich die Fahne daher
verpixelt sehen - oder durch eine Fahne der Erde
ersetzt. Ob Google ein Einsehen hat? Oder bin ich gar nicht das
Domizil, in dem ich wohne?
Ach ja, und dann findet in dieser Woche ja auch noch der Eurovision
Song Contest statt.
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KW 18: Eins auf die Presse
Vor kurzem habe ich mit einer Collagenserie zum Jahr 1961 begonnen.
Dazu verwende ich Ausschnitte aus Büchern und Zeitungen, die in eben
diesem Jahr in BRD und DDR publiziert wurden.
Interessant an den mir vorliegenden Medien ist, dass
der Ost-West-Konflikt weitgehend ausgeblendet wird.
Wenn aber darüber berichtet wird, klingt das in vielen Fällen
nach ideologischer Propaganda - unabhängig vom Erscheinungsort.
An dieser Stelle lässt sich dann auch die vage Verbindung zum
Wochenfoto herstellen: Am 3.5. ist der "Internationale Tag der
Pressefreiheit".
Nach Einschätzung der "Reporter ohne
Grenzen" erreicht Deutschland in puncto
Pressefreiheit 2010 übrigens Rang 17 von insgesamt
178 beurteilten Ländern. Sri Lanka, wo das Foto entstanden ist, Rang
158.
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KW 17: Testbericht
Der deutsche Durchschnittserwachsene sieht täglich etwas mehr als drei
Stunde fern. Dabei ist das Schönste am Fernsehen fast völlig von der
Bildschirmfläche verschwunden: die Testbilder.
An die Ästhetik dieser konstruktivistischen Kompositionen, die bis in
die 1990er in verschiedenen Varianten auf diversen Kanälen zu sehen
waren, reichen die wenigsten Formate heran.
Von daher können wir das Fernsehen auch ruhig mal Fernsehen sein lassen
und stattdessen das
Sprießen des Frühlings genießen. Live und in Farbe.
Und übrigens: am 27.4. ist Weltgrafikertag.
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KW 16: Erde zu Erde
Wesentliche Grundlage meiner Collagen sind Ausschnitte aus Zeitungen
und Illustrierten. Im Laufe der vergangenen 25 Jahre habe ich zu diesem
Zweck mehr als 2.500 Zeitungen zerschnipselt.
Dabei ist mir immer wieder aufgefallen, dass sich kaum Abbildungen von
Erde finden lassen - weder in redaktionellen noch in
werblichen Beiträgen. Wasser ja, Himmel sowieso, Feuer bedingt, aber
Erde, kaum.
Ist Erde zu sehr mit Tod und Vergänglichkeit verknüpft? Oder zu sehr
mit Triebhaftigkeit? Am 22.4. jedenfalls ist der "Tag der Erde". Zu
diesem Anlass einfach mal ein Foto von "der Erde".
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KW 15: Treffende Argumente
Falsch ist, dass in Köln neuerdings Schlammfelder angelegt
werden, um für die nächste Schlammschlacht gerüstet zu sein.
Wahr ist, dass unsere Sprache von Kriegsmetaphorik
durchzogen ist, z.B. wenn wir über Diskussionen sprechen (eine Position
verteidigen, etwas ins Felde führen, ein Wortgefecht austragen etc.).
Geschmacklos ist dies meines Erachtens nicht nur zur gegenwärtigen,
sondern jederzeit.
Nebensächlich ist, dass dieses Schild an den Lindenthaler Kanälen
hängt, an denen ich auf meinem Weg ins Atelier entlang radel.
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KW 14: Glück im Unglück
In seinem Lexikon der sprichwörtlichen Redensarten
stellt Lutz Röhrich (1922-2006) die These auf, es sei eine
"tief im Charakter unseres Volkes liegende,
sehr schätzenswerte Eigenheit (...), auch dem schwersten Mißgeschick
irgendwie eine (...) Trost gewährende Seite abzugewinnen" (S. 559f.,
Herder, 1994).
Nun bin ich kein Anthropologe. Doch ruft derartige
Deutschtümelei in mir ein Befremden hervor. Zweifelsohne handelt es
sich um eine
"schätzenswerte Eigenheit", die der seelischen Gesundheit zuträglich
ist.
Aber dass es sich um eine typisch deutsche Eigenschaft handelt, da bin
ich skeptisch.
Wie auch immer: Am 7.4., ist Weltgesundheitstag. Aus diesem Anlass
wünsche ich Ihnen an dieser
Stelle v.a. Gesundheit.
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KW 13: Noch'n Phänomen
Nein, nicht doch. Es würde sich natürlich anbieten. Aber nein,
an dieser Stelle kein weiteres Gedicht - zumal ich schon vor längerer
Zeit festgestellt habe, dass mir andere Textgattungen mehr liegen.
Viel lieber stelle ich ein weiteres Internet-Phänomen vor: Sleeveface.
Nicht mehr ganz neu, aber immer noch rege betrieben.
Worum geht's? Leute halten sich Plattencover vors Gesicht (oder andere
Körperregionen) und fotografieren sich dann. Klingt albern?
Ist es auf den ersten Blick
vielleicht auch. Wenn aber die Grenzen zwischen Abbild und Realität
verschwimmen, kann aus einem Sleeveface großes Kino werden.
Einfach mal in der Suchmaschine Ihres Vertrauens eine Bildersuche mit
dem Begriff "Sleeveface" starten und sich überraschen lassen.
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KW 12: Hallo Frühling
Da der Frühlingsanfang zugleich auch der Welttag der Poesie ist, stelle
ich heute eine sympathische Street-Art-Aktion des österreichischen
Schriftstellers Martin Auer vor - entdeckt im letzten Jahr in Wien.
Wird
der Barcode auf dem Plakat mit einem Handy gescannt, wird ein Gedicht
aus dem Internet geladen. Die Gedichte können nur über die in Wien
verteilten Barcodes rezipiert werden und sind sonst nirgends
veröffentlicht.
Daher schließe ich zwar mit einem kleinen
Gedicht - allerdings aus meiner Feder:
Wenn eines Nachts
alle Sterne
als Sternschnuppen
vom Himmel fielen,
wäre das
das Ende aller Träume,
und wäre das
den Sternen schnuppe?
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KW 11: Pittoreskes Piktogramm
Vielleicht an dieser Stelle die Auflösung zu der Frage nach dem
Squirrel aus KW 9:
Derzeit arbeite ich an einem Projekt mit dem Arbeitstitel "Freizeit
2.0". In diesem Zusammenhang beschäftige ich mich u.a. mit Internet-
Phänomenen wie etwa dem Crasher Squirrel.
Zu jedem Phänomen erarbeite ich ein Piktogramm - und damit ergibt
sich dann auch der Bezug zum Foto der Woche.
Enden möchte ich mit der
Frage, wie wohl ein Piktogramm für Piktogramm aussehen könnte?
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KW 10: Prost Mahlzeit
Passend zum Tag der gesunden Ernährung (7.3.) habe ich dies Foto einer
fliegenden Wurst ausgewählt.
Entdeckt habe ich das Motiv selbstverständlich in Berlin, der
Geburtsstadt der Currywurst - auch wenn sich die
Gourmet-Geister darüber streiten, ob die Currywurst 1949 in Berlin
oder vielleicht doch schon 1947 in Hamburg erfunden wurde.
Mir als Vegetarier ist das im Grunde völlig gleich. Dass aber der
Currywurst ein
eigenes Museum gewidmet ist, stimmt mich als Künstler dann doch ein
wenig nachdenklich.
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KW 9: Ein Phänomen, so Phänomene
Köln. Crasher
Squirrel knackt Liebesschlösser.
Während ich überlege, meine Sammlung an Gratispostkarten zu verkaufen,
stelle ich mir mal wieder die Frage, wie ein Phänomen zum Phänomen
wird.
Wer hat das erste Schloss am Zaun der Hohenzollern- Brücke befestigt?
Wer
bestimmt den Wert von Gratispostkarten?
Und warum lasse ich
das Crasher Squirrel aus seinem wohlverdienten Winterschlaf erwachen?
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KW 8: Was der Hals begehrt
Gerüchten zufolge handelt es sich bei den Inhabern dieses Ladens um
"Halsabschneider".
Nichts als üble Nachrede! Tatsächlich findet sich dort alles, was der
Hals begehrt: Tücher, Ketten, Krausen, Pastillen oder auch Hals-
Nasen-Ohren-Ärzte. Und das zu durchaus fairen Preisen.
Ich selbst habe dort erst kürzlich eine Halsschlagader erworben.
Einfach in der
Handhabung, funktionstüchtig und dekorativ dazu.
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KW 7: Träum' weiter...
Ich mag gar nicht spekulieren, welche Stimmung den zuständigen
Verkehrsplaner zu dieser Schilderkombination bewogen hat.
Ich schmunzel einfach nur und gebe allen Desillusionierten das
vielleicht
etwas abgegriffene, aber doch zauberhafte Bonmot mit auf den Weg:
"Träume nicht dein Leben, lebe Deinen Traum."
Der Zitatgeber ist übrigens unbekannt. Unter anderem wird es Jean Paul,
Walt Disney und der Rocky Horror Picture Show zugeschrieben.
Die Herkunft des Fotos hingegen ist bekannt (Goa, Indien, 1998).
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KW 6: Geschmeckt hat es
schon.
Als ich diese Woche ein indisches Fertiggericht aß, stolperte
ich über die assoziationsreiche Zutat "Unkraut von Bischof".
Wenn Heilkräuter heilende Kräfte in sich tragen, welche Wirkung hat
dann das
Unkraut vom Bischof?
Gemeint ist übrigens ein Gewürz mit dem Namen Ajowan oder auch
Königskümmel. Die Bezeichnung
Bischofs- (un)kraut ist nicht nur amüsant, sondern (trotz einer
gewissen
Verbreitung) inhaltlich falsch - wie ich nach einer kleinen Recherche
gelernt habe.
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KW 5: So fing es an.
Zum dritten grundlegenden Relaunch von kunstakut.de, ist hier
noch einmal als kleine Reminiszenz die erste Startseite (von
Oktober 2000) zu sehen.
kunstakut.de war zunächst als Plattform für junge Kunst
gedacht und wurde
erst später - aufgrund mangelnder Resonanz - zu meiner
alleinigen Webpräsenz erkoren.
Die gezeigte Startseite war bis 2001 unter lebenincollagen.de zu
erreichen und zunächst als Online-Ausstellung konzipiert.
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